Floatglas
Floatglas ist die heute am häufigsten verwendete Glasart. Standardfloatglas, weist eine leichte Grünfärbung auf, die insbesondere an den Glaskanten deutlich wahrgenommen werden kann. Die Grünfärbung, auch Grünstich genannt, ergibt sich aus geringen Mengen von Eisenoxid, das in den Rohstoffen enthalten ist.
Extraweißes Floatglas
Extraweißes Glas, das aus besonders eisenoxidarmen Rohstoffen hergestellt wird und praktisch keine Eigenfarbe aufweist. Es kommt meist aus ästhetischen und optischen Überlegungen zur Anwendung.
Floatglas farbig
Durch Zusatz von Metalloxiden lässt sich farbiges Floatglas herstellen, wobei die ganze Glasmasse durchgefärbt wird. Dies führt dazu, dass die Intensität der jeweiligen Farbe mit der Glasdicke gekoppelt ist. Theoretisch wäre eine Vielzahl von Farbtönen möglich, aus praktischen Gründen bleibt die erhältliche Palette jedoch auf wenige Töne beschränkt (grün, grau, bronze, blau). Unter Sonneneinstrahlung werden farbige Gläser wegen der hohen Strahlungsabsorption sehr stark erwärmt, wodurch sich das thermische Bruchrisiko erhöht. Farbige Floatgläser müssen daher in der Praxis oft vorgespannt werden.
Ornament- oder Gussglas
Ornamentgläser sind Gläser mit einer ein- oder beidseitig, mehr oder weniger ausgeprägt strukturierten Oberfläche. Bei der Herstellung durchläuft die Glasmasse zur Formgebung ein oder mehrere Walzenpaare, die die gewünschte Prägung erzeugen. Das Glas verliert dadurch zwar seine klare Durchsichtigkeit, eignet sich aber genau deshalb als Sichtschutz mit hoher Lichtdurchlässigkeit. Die thermische und statische Belastbarkeit von Ornamentgläsern ist im Allgemeinen geringer als die von Floatglas.
Einige Strukturgläser lassen sich vorspannen, zu VSG laminieren oder zu Isolierglas zusammenbauen. Die Verarbeitung ist abhängig von der Art und dem Verlauf der Struktur sowie von den fabrikationstechnischen Gegebenheiten.
Drahtornament-, Drahtglas und poliertes Drahtglas (Drahtspiegelglas)
Ornamentglas kann mit einer Drahtnetzeinlage versehen werden, die während des Herstellungsprozesses in das noch flüssige Glas eingelegt wird. Bei mechanischer Zerstörung hält das Drahtnetz die Bruchstücke zusammen, wodurch sich ein gewisser Schutz gegen herabfallende Splitter ergibt.
Renovationsglas
Unter dem Begriff Renovationsglas wird heute ein Glas bezeichnet, das im Ziehverfahren oder als mundgeblasenes Glas hergestellt wurde. Renovationsglas und Floatglas haben die gleiche chemische Zusammensetzung und weisen dieselben physikalischen Eigenschaften auf.
Die Bedeutung von Renovationsglas beschränkt sich heute praktisch auf den Renovationsmarkt für historisch wichtige Gebäude. Die Ziehstreifen, die der Glasoberfläche etwas Lebendiges verleihen, sind bei der Rekonstruktion oder Erneuerung von historischen Fensterpartien sehr gefragt.
Borosilikatglas
Enthält einen Zusatz von 7 – 15 % Boroxid. Der Wärmeausdehnungskoeffizient ist im Vergleich zu Float-, Fenster- und Ornamentglas sehr viel niedriger. Borosilikatglas hat daher eine wesentlich höhere Temperaturwechselbeständigkeit und außerdem eine hohe Beständigkeit gegen Laugen und Säuren. Eingesetzt wird es, wenn hohe Temperaturbeständigkeit gefordert wird.
Glaskeramik
Glaskeramiken sind keine Gläser im eigentlichen Sinn, da sie einen teilweisen oder vollkommenen mikrokristallinen Aufbau haben. Trotzdem können sie absolut glasklar sein. Sie besitzen eine außerordentlich hohe Temperaturwechselbeständigkeit. Bekannt sind sie vor allem als Keramikkochfelder.
Strahlenschutzglas
Besteht zu einem hohen Prozentsatz aus Bleioxid, das Röntgenstrahlen absorbiert. Es wird daher oft auch als Bleiglas bezeichnet. Strahlenschutzglas besitzt eine hohe Dichte (je nach Bleigehalt bis 5 g/cm3) und ist deshalb bis doppelt so schwer wie Floatglas. Charakteristisch für Strahlenschutzglas ist außerdem eine leichte Gelbfärbung. Seine Wirksamkeit gegen Röntgenstrahlen wird mit dem so genannten Bleigleichwert angegeben. Das Einsatzgebiet liegt insbesondere in Krankenhäusern und in der Forschung und Entwicklung. Generell überall, wo klare Durchsicht erwünscht ist, aber optimaler Strahlenschutz gewährleistet werden muss.
Kristallspiegelglas
Bezeichnung für gegossenes und gewalztes, auf beiden Seiten planparallel geschliffenes Glas. Mit klarer Durchsicht und fehlerfreier Optik, farblos oder farbig (abgelöst durch Floatglas)
Kristallglas / Bleioxidglas
Bezeichnung für meist bleihaltiges, geschliffenes Hohlglas (kein Flachglas).
Kieselglas (Quarzglas)
Kieselglas besteht aus reinem Siliziumoxid. Es wird oft auch als Quarzglas bezeichnet, was aber eine etwas irreführende Bezeichnung ist, da es nicht eine kristalline Struktur wie ein Quarz, sondern wie bei Gläsern üblich, eine amorphe Struktur aufweist. Kieselglas besitzt eine hohe Durchlässigkeit für ultraviolette Strahlung, einen geringen Wärmeausdehnungskoeffizienten und damit eine hohe Temperaturwechselbeständigkeit. Anwendung: Optik, Lampenproduktion, Halbleiterfertigung, Lichtleit-/Glasfaserkabel und Isolationsmaterial in elektronischen Bauteilen.
Aluminium-Silikat-Glas
Aluminium-Silikat-Glas wird auf Basis herkömmlichem Kalknatron-Silikat-Glas aufgebaut. Das Spezialglas, das sich im Floatverfahren mit Dicken von nur 0,5 mm herstellen lässt, ist kratzfester und bietet eine hervorragende optische Qualität. Die Gläser mit Oberflächen-Druckspannungen von bis zu 900 Megapascal werden in erster Linie für Displays von Smartphones und Tabletts eingesetzt.
Kantenbearbeitung nach DIN 1249, Teil 11
Die Schnittkante entsteht beim Anritzen und anschließendem Brechen des Glases entlang des Schnittes. Die Ränder der Schnittkante sind scharfkantig. In der Schnittkante sind die Wallnerlinien (leichte Wellenlinien auf der Glaskante, die beim Brechen des Glases entstehen) quer zu den Rändern sichtbar.
Die Schnittkante ist in der Regel glatt gebrochen, jedoch können, speziell bei dickeren Scheiben und nicht geradlinigen Formscheiben, auch unregelmäßige Bruchstellen auftreten, durch z. B. Ansatzstellen des Schneidwerkzeuges. Daneben können Bearbeitungsstellen (z. B. durch Brechen des Glases mit der Brechzange) entstehen.
Gesäumte Kante (KGS)
Die gesäumte Kante entspricht der Schnittkante, deren Ränder mehr oder weniger gebrochen sind.
Maßgeschliffene Kante (KMG)
Die Glasscheibe wird durch Schleifen der Kantenoberfläche auf das erforderliche Maß gebracht. Blanke Stellen und Ausmuschelungen sind zulässig.
Geschliffene Kante (KGN)
Die Kantenoberfläche ist durch Schleifen ganzflächig bearbeitet. Die geschliffene Kante hat ein schleifmattes Aussehen. Blanke Stellen und Ausmuschelungen sind unzulässig.
Polierte Kante (KPO)
Die polierte Kante ist eine durch Überpolieren verfeinerte geschliffene Kante. Polierspuren sind in gewissem Umfang zulässig.
Wasserstrahlgeschnittene Kante (KWG)
Durch abrasiven Abtrag erzeugte Glaskante. Sie besitzt keine scharfkantige Ausprägung der Ränder. Die Kantenoberfläche ist rau.
Lasergeschnittene Kante (KLG)
Durch Laserbearbeitung erzeugte Kante. Die lasergeschnittene Kante kann auch scharfkantig sein.
Gesägte Kante (KGG)
Durch Radial- oder Bandsägen im rechten Winkel oder Gehrungswinkel hergestellte Kante mit Ein- und Auslaufspuren an den Anfangs- und Endpunkten.
Gehrungskante
Die Gehrungskante bildet mit der Glasoberfläche einen Winkel: 45 ° ≤ α < 90 °. Die Kanten können geschliffen oder poliert sein.
Die Kriterien gelten auch für ESG, heißgelagertes ESG, TVG und VSG aus nicht vorgespannten Gläsern.
Eckausschnitte / Randausschnitte
Randausschnitte und Eckausschnitte müssen mit einem Radius (R) versehen werden. Machbare Radien sind mit dem jeweiligen Hersteller abzuklären.
Ausschnittgrößen sind so zu dimensionieren, dass Abstandstoleranzen ausgeglichen werden können.
A = Höhe
B = Breite
a1 = Abstand zwischen Ausschnitt und Glaskante
a2 = Abstand zwischen zwei Ausschnitten
x = Außenschnittbreite
y = Außenschnitthöhe
R = Radius/Eckradius
Lage der Bohrungen